Wie aus Luna und Pescadillo eine Lupe wurde
Manchmal entsteht eine Idee lange bevor man weiß, wohin sie einmal führen wird.
Als ich begann, über ein Logo für meine Arbeit als Coach nachzudenken, gab es den Bezug zur Physik noch gar nicht. Ich dachte in ganz unterschiedliche Richtungen, probierte gedanklich Bilder, Begriffe und Symbole aus. Und irgendwann kam mir eine eher spielerische Frage:
Was passiert eigentlich, wenn ich die ersten beiden Buchstaben der Namen meiner Pferde zusammensetze?
Luna und Pescadillo.
Lu + Pe = LuPe.
Da war sie plötzlich: die Lupe.
Und erstaunlicherweise passte dieses kleine Wortspiel ziemlich gut zu dem, was ich mit pferdegestütztem Coaching verbinde.
Was passiert da eigentlich?
Wenn Mensch und Pferd miteinander agieren, passiert viel. Ein Mensch geht los – das Pferd bleibt stehen. Er erhöht den Druck – und das Pferd geht vielleicht rückwärts statt vorwärts. Eine kleine Veränderung der eigenen Position genügt – und plötzlich folgt es.
Was hat den Unterschied gemacht?
Genau dort beginnt für mich die spannende Arbeit: genauer hinzuschauen.
Was tut der Mensch? Was nimmt das Pferd davon wahr? Wie reagiert es darauf? Und was wiederum macht seine Reaktion mit dem Menschen?
Die Lupe wurde für mich deshalb zum Symbol für den genaueren Blick auf die Interaktion zwischen Mensch und Pferd.
Mein erster Logoentwurf zeigte folgerichtig zwei Pferdeköpfe. Sie standen für Luna und Pescadillo – die beiden Pferde, mit denen viele meiner Erfahrungen und Erkenntnisse verbunden sind.

Doch mit der Zeit entwickelte sich nicht nur das Logo weiter. Auch meine Vorstellung davon, was meine Arbeit ausmacht, wurde klarer.
Dann kam die Physik dazu
Irgendwann stellte ich fest, dass sich drei Bereiche miteinander verbinden lassen, die mich auf sehr unterschiedliche Weise geprägt haben:
Physik. Pferde. Führung.
Auf den ersten Blick haben sie vielleicht wenig miteinander zu tun. Auf den zweiten erstaunlich viel.
Kräfte haben eine Richtung und einen Ansatzpunkt. Ein Hebel verändert Wirkung. Ein System kann im Gleichgewicht sein oder aus dem Gleichgewicht geraten. Druck erzeugt nicht automatisch die gewünschte Bewegung. Und wer Wirkung erzielen möchte, sollte nicht nur fragen, wie viel Kraft er einsetzt, sondern wo und wie.
Vieles davon lässt sich auch bei Pferden beobachten. Und erstaunlich vieles begegnet mir in Führung wieder.
Damit bekam auch die Lupe für mich noch eine zweite Bedeutung. Sie steht nicht mehr nur für das genaue Hinschauen.
Sie wird zum Brennglas. Denn ein Brennglas bündelt. Und damit sind wir beim Fokus.
Fokus heißt auch: weglassen
Wer durch eine Lupe schaut, kann nicht gleichzeitig alles betrachten. Ich muss entscheiden, worauf ich sie richte. Das gilt für eine Situation mit einem Pferd genauso wie für Führung oder Coaching.
Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit?
Was ist gerade wirklich relevant?
Wo liegt der Ansatzpunkt, an dem eine kleine Veränderung eine große Wirkung haben kann?
Und was lenkt mich lediglich ab?
Fokus bedeutet deshalb für mich nicht, immer mehr Energie aufzubringen. Es bedeutet, die vorhandene Energie auf das Wesentliche zu richten.
Vielleicht gefällt mir die Lupe gerade deshalb so gut: Sie verbindet genaues Hinsehen mit Fokussierung.
Aber eins fehlte noch
Je klarer meine Positionierung wurde, desto deutlicher wurde mir allerdings auch eine Schwäche meines ursprünglichen Logos.
In der Lupe waren zwei Pferde.
Doch in meiner Arbeit geht es nicht um Pferde.
Es geht um Menschen.
Das Pferd ist Gegenüber, Resonanzpartner und ein erstaunlich präziser Hinweisgeber. Aber der Mensch bringt die Frage mit. Er trifft Entscheidungen. Er führt. Er verändert sein Verhalten. Und er nimmt seine Erkenntnisse anschließend mit zurück in seinen beruflichen oder persönlichen Alltag.
Deshalb stehen sich in meiner aktuellen Version des Logos nicht mehr zwei Pferdeköpfe gegenüber.
Heute sind es ein Mensch und ein Pferd.
Und zwischen ihnen passiert das, worauf ich mit meiner Lupe schauen möchte: Interaktion.

Wie klar bin ich in dem, was ich will?
Wie wirke ich auf mein Gegenüber?
Passt meine Wirkung zu meiner Absicht?
Was geschieht, wenn ich meinen Fokus verändere?
Und wo kann ich ansetzen, wenn ich eine andere Wirkung erzielen möchte?
So ist aus einem kleinen Wortspiel mit den Namen Luna und Pescadillo nach und nach ein Symbol für meine Arbeit geworden.
Die beiden Pferde sind aus dem Logo verschwunden.
Und irgendwie sind sie trotzdem noch beide darin.
Denn ohne Luna und Pescadillo gäbe es meine LuPe vermutlich nicht.
Und ohne sie hätte ich vieles von dem, worauf ich heute genauer schaue, vielleicht nie gesehen.
Mein Lehrmeister Pescadillo weilt mittlerweile nicht mehr unter uns. Er wurde 29 Jahre alt. Mit der Lupe bleibt er in Erinnerung.

